Staatliches
Museum für Völkerkunde
München
Kunst und Kultur aus Afrika
• Asien • Amerika • Ozeanien
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Freundeskreis
Auf dieser Seite werden exemplarisch
einige Objekte vorgestellt,
die der Freundeskreis für das Museum erworben hat.
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Uli-Figur, Neuirland
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Uli-Skulpturen
standen im Zentrum des kultischen Lebens im mittleren Neuirland.
Über die Bedeutung der Uli-Zeremonien ist jedoch nur wenig
bekannt geworden. Die ausnahmslos zweigeschlechtlichen Figuren
wurden daher früher als göttliche Wesen, Oberhäupter
oder Ahnen interpretiert. Heute geht man davon aus, dass die Skulpturen
weibliche und männliche Merkmale zu einer symbolhaften Darstellung
der über die mütterliche und väterliche Linie weitergegebenen
Lebensenergie und die zum Fortbestand der Gesellschaft notwendigen
männlichen und weiblichen Aspekte verbinden. Uli-Skulpturen
wurden sorgfältig aufbewahrt und für geheime Zeremonien
der Männer und die Initiation der Knaben in besonderen Hütten
aufgestellt, wo die Männer die normalerweise den Frauen zugeschriebene
Rolle des Ernährens im weitesten Sinne übernahmen und
– mit Hilfe künstlicher Brüste und „weiblicher“
Baströcke – deren Rolle darstellten.
Uli-Figuren sind auf dem
Kunstmarkt selten und teuer geworden. Mit Unterstützung des
Freundeskreises des Museums und anderer Geldgeber ist es gelungen,
diese Figur, die bis 1951 schon einmal zu den Beständen des
Museums gehört hatte, wieder nach München zu holen. Jetzt
ist sie in der neuen Dauerausstellung „Weiter als der Horizont
– Kunst der Welt“ zu sehen. Michaela Appel
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Schlitztrommel, Yoruba, Nigeria (Detail)
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Diese
Schlitztrommel wurde um 1900 in einer Werkstatt der nördlichen
Ekiti-Region geschnitzt. Die sensible Ausführung des Kopfes
verrät die Hand eines Meistersbildhauers. Solche Schlitztrommeln
wurden in der Ekiti-Region für Jäger hergestellt und von
deren Frauen bei wichtigen Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Amtseinsetzungen
oder Begräbnissen geschlagen. Sie begleiteten Preisgesänge,
die zu Ehren des Jägers gesungen wurden und die seinen hohen
Rang in der Gemeinschaft unterstrichen.
Dass uns der Name des
Schöpfers dieser Schlitztrommel nicht bekannt ist, heißt
nicht, dass die Namen von Yoruba-Bildhauern vor Ort nicht bekannt
oder geschätzt gewesen wären. Vielmehr kannten sowohl
Auftraggeber als auch in der Regel die Menschen, die ihre Arbeiten
sahen, deren Namen. Nur wurden diese von den Zwischenhändlern
und Sammlern nur in Ausnahmefällen aufgezeichnet. Und nur selten
wurde gefragt und nachgeforscht, von wem, wann und wo die afrikanischen
Werke geschaffen wurden. Erst in den letzten Jahrzehnten bemühen
sich Afrika-Kunsthistoriker verstärkt darum, hinter dem Meisterwerk
auch den Meisterbildhauer zu erkennen und zu identifizieren.
Stefan Eisenhofer
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Bei
den Bamana (Mali) existiert eine große Bandbreite an eisernen
Ritualstäben, deren äußere Erscheinung allerdings
keine Rückschlüsse auf ihre ehemalige Verwendung zulassen.
Selbst formal nahezu identische Stücke können von den
Mitgliedern unterschiedlicher Bünde für verschiedene
Riten benutzt worden sein.
Die Bearbeitung von
Eisen weist in Afrika lange und vielfältige Traditionen auf.
Insbesondere Schmiede aus Mali zählen zu den herausragenden
Könnern ihres Berufsstandes, wie dieses mit formaler Virtuosität
und großer Sensibilität geschmiedete Werk belegt. Im
figürlichen Aufsatz des Stabes zeigt sich eine beeindruckende
Monumentalität in der Miniatur, eines der charakteristischen
Merkmale herausragender figürlicher Eisenplastiken bei den
Bamana.
Die Verwandlung ungeformter
Materie in wichtige Kulturgüter durch Verhütten und
Schmieden fasziniert so stark, dass viele Schöpfungsmythen
davon handeln, wie das Eisen überhaupt erst menschliche Kultur
entstehen ließ. Und häufig brachte ein mythischer "Ur-Schmied"
den Menschen nicht nur die Kunst der Eisenbearbeitung, sondern
auch Feuer, Vieh und Saatgut. Schmiede galten daher vielerorts
als Vollender der Schöpfung und Gestalter menschlicher Kultur
schlechthin. Stefan Eisenhofer
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Ritualstab, Bamana, Mali
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Indianische Truhe, Haida, Nordamerika
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Diese
große Truhe der Haida-Indianer von der amerikanischen Nordwestküste
diente zur Aufbewahrung der Schätze und der festlichen
Kleidung der Familie. Besonders selten sind bemalte Truhen wie diese,
deren vier Seiten aus einem einzigen geknickten Holzbrett angefertigt
wurden (bentwood-box). Die Wandung ist durch schräg angebrachte
Hozdübel
mit der Bodenplatte verbunden. Deckel und Boden sind in die Wandung
eingepasst, die vierte Seite ist mit Wurzelfasern vernäht.
Der Deckel
ist mit fünfzehn eingelassenen Kauri geschmückt. Alle
Wände sind bemalt,
wie es Mitte des 19. Jahrhunderts üblich war. Mit Hilfe von
Schablonen
entstand die strenge Symmetrie des Motivs, das sich hier nicht eindeutig
interpretieren lässt. Das Wesen ist, den Seiten der Truhe entsprechend,
frontal, seitlich und von hinten dargestellt.
Jean-Loup Rousselot
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Chinesische Weltenwächterfigur aus dem 8. Jhdt.
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In
den Grabanlagen der Oberschicht der Tang-Zeit (618 – 907)
verteidigten verschiedene Typen von Grabwächterfiguren die
Zugänge der Grabkammer gegen Unheil bringende Einflüsse.
Zu diesen paarweise aufgestellten Wächtern gehörten gerüstete
und bewaffnete Krieger, die in drohender Haltung und mit zornvollem
Mienenspiel auf Dämonen oder, wie in vorliegendem Fall, auf
einem ruhenden Stier über einem durchbrochenen, felsenartigen
Sockel stehen. Diese Figuren zeugen von der kulturell kosmopolitischen
Ausrichtung der Tang-Zeit, in der China in reichem Maße Einflüsse
aus Indien sowie Zentral- und Westasien bewußt übernahm
und verarbeitete. Unter dem Einfluss des Buddhismus und in Anlehnung
an die vermutlich als Vorbild dienenden Darstellungen der die Welt
schützenden buddhistischen Weltenhüter, werden diese Figuren
im Chinesischen als „Himmelskönige“, tianwangshen,
bezeichnet.
Der Helm der Figur hat die Form eines die Schwingen ausbreitenden
mythischen Vogels, der an den „zinnoberroten Vogel“
(zhuniao oder zhuque), den „Phönix“, erinnert.
Diese Helmgestaltung leitet sich ab von missverstandenen Darstellungen
sassanidischer, mit Vögeln verzierter Flügelhelme, ihre
Interpretation in China fußte möglicherweise auf
einheimischen Vorstellungen von den „Geflügelten Unsterblichen“
(yuren shenxian) und symbolisierte die übernatürlichen
Kräfte des Himmelskönigs. Die Waffe, auf die eine Öffnung
in der vor dem Körper gehaltenen Hand hinweist, ist, da aus
vergänglichem Material, nicht mehr vorhanden.
Bruno J. Richtsfeld
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Reisstampftrog, Bali
Dieser
Reisstampftrog soll aus Nordbali stammen und dort zum rituellen
Reisstampfen -- etwa am Vorabend des balinesischen Neujahrsfestes
--
verwendet worden sein.
Auch bei Mondfinsternissen wird in allen Dörfern mit Reisstampfern
auf
leere Reiströge eingeschlagen, was verhindern soll, dass die
Mondgöttin
durch den Dämonenkönig Kala Rahu verschlungen wird. Einer
Legende
zufolge hatte sich Kala Rahu als Gott verkleidet und das Wasser
des
Lebens erschlichen. Sonne und Mond entdeckten das Täuschungsmanöver
und
alarmierten die Götter. Vishnu enthauptete Kala Rahu mit seinem
Cakra.
Da aber der Dämon bereits Lebenswasser im Mund hatte, blieb
sein Haupt
ewig lebendig. Sein toter Körper jedoch fiel zur Erde und wurde
zu einem
Reisstampftrog. Aus Wut über den Verrat versucht Kala Rahu
seither, die
Sonne und den Mond zu verschlingen (Sonnen- und Mondfinsternis).
Solange
aber sein toter Körper bei Sonnen- und Mondfinsternis mit Reisstampfern
bearbeitet wird, bleiben seine Versuche erfolglos.
Die Schnitzereien auf diesem Reisstampftrog beziehen sich nach Angabe
des Balinesen Komang Ayuda aus Mas in Südbali auf die Höllenqualen,
die
Verstorbene erwarten. Michaela Appel
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