Staatliches
Museum für Völkerkunde
München
Kunst und Kultur aus Afrika
• Asien • Amerika • Ozeanien
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DER ETHNOLOGISCHE
SALON 2005
Eine Veranstaltungsreihe im Staatlichen
Museum für Völkerkunde
Veranstalter: Staatliches Museum für
Völkerkunde München
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Der Ethnologische Salon 2005 widmet
sich dem Thema "Schriftstellernde Ethnologen / Ethnologische
Schriftsteller". Wir möchten Ihnen Menschen vorstellen,
die mehr oder weniger bekannt sind und die mit ihren Werken einen
wichtigen Beitrag zum Verständnis anderer Kulturen und Völker
geleistet haben. Es handelt sich sowohl um verstorbene Autorinnen
und Autoren, die wir Ihnen nur vermittelt vorstellen können,
als auch um zeitgenössische Schriftstellerinnen und Schriftsteller,
die wir Ihnen "leibhaftig" präsentieren werden. Karin
Sommer und Stefan Eisenhofer, die beiden Initiatoren und Organisatoren
des Ethnologischen Salons, werden Sie wie immer moderierend durch
die Abende begleiten.
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Programm 2005
Ethnologische Schriftsteller — Schriftstellernde
Ethnologen
28.1.2005
Karin Sommer
"Es war ein König in Thule ..."
Der Ehren-Eskimo Peter Freuchen: Polarforscher, Schauspieler, Abenteurer
25.2.2005
Jens J. Kramer
"Zwischen allen Kulturen"
Ein Missionar im Westafrika des 19. Jahrhunderts und die geheimnisvolle "Stadt unter den
Steinen"
18.3.2005
Rhia Herrad
"Fußspur im Staub"
Die afro-amerikanische Ethnologin Zora Neale Hurston unterwegs in den Großstädten
Amerikas der 1920er Jahre
29.4.2005
Alexander Knorr
"Ethnologie und Schelmentum"
Carlos Castaneda und das Trickster-Prinzip
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Sommerpause: Mai - August
30.9.2005
Reinhard Kapfer
"Die Frauen von Maroua"
Liebe, Sexualität und Heirat in Nordkamerun
- entfällt -
28.10.2005
Karin Sommer
"Der Pazifist Hans Paasche
und »sein afrikanischer Forschungsreisender« Lukanga
Mukara"
Eine Reise zu den Quellen des Nils und ins Innerste Deutschlands
25.11.2005
Stefan Eisenhofer
"Ethnologie der Empfindlichkeiten"
Hubert Fichte, Pierre Verger und die afroamerikanischen Religionen
Freitagabend im Völkerkundemuseum:
Ethno-logisch!
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Texte zu den Veranstaltungen
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Freitag, 28.01.2005, 19:00 Uhr
"Es war ein König in Thule ..."
Der Ehren-Eskimo Peter Freuchen (1886-1957): Polarforscher, Schauspieler, Abenteurer
- Inszenierte Lesung einer biographischen Würdigung Peter Freuchens von Karin Sommer
- "Ivalu", ein Eskimo-Roman von Peter Freuchen, in Ausschnitten gelesen von
Günther Gerstenberg
- Peter Freuchen und seine Sehnsüchte – Anmerkungen aus ethnologischer Sicht von
Dr. Jean-Loup Rousselot, Eskimo-Experte und Leiter der Abteilung Nordamerika im Museum für
Völkerkunde München
- "Eskimo". Ausschnitte aus einem Stummfilm von und mit Peter Freuchen (1933; Regie:
William S. van Dyke)
- Offenes Forum
"Knud Rasmussen und Peter Freuchen kombinierten Feldforschung mit Genie. Was die Welt
über die Eskimos weiß, weiß sie aus den Büchern dieser beiden Männer, aber nicht
etwa, weil ihre Bücher als erste erschienen wären, was nicht der Fall ist, sondern weil sie echte
Menschen auf sich wirken ließen und uns eindringliche, wundervolle Einblicke hinterlassen haben"
– so lobte der amerikanische Ethnologe E. Carpenter den dänischen Schriftsteller Peter Freuchen.
1906 Mitglied der ersten Grönland-Expedition, hegte Freuchen eine lebenslange Leidenschaft
für Land und Leute. Er gründete mit dem Polarforscher Rasmussen die Handelsstation Thule und war mit
ihm zusammen auf zahlreichen Forschungsfahrten unterwegs. 1911 heiratete er eine Eskimofrau und hatte mit ihr
zwei Kinder. Er verlor später bei einer Expedition durch Erfrierungen ein Bein und war danach vor allem
als Journalist, Romanschreiber und Vortragsreisender unterwegs. 1933 drehte Hollywood mit ihm als Drehbuchautor
und Schauspieler den Stummfilm "Eskimo", der ein großer Erfolg wurde. Als ausgesprochener
Antifaschist ging Freuchen nach der Besetzung Dänemarks durch die Deutschen im Jahr 1940 in den Widerstand
und half bei der gefährlichen Rettung der dänischen Juden. Von der Gestapo erwischt und zum Tode
verurteilt, konnte er jedoch im letzten Augenblick nach Schweden fliehen und in die USA ausreisen, wo er bis zu
seinem Tod 1957 lebte.

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Freitag, 25.02.2005, 19:00 Uhr
"Zwischen allen Kulturen"
Ein Missionar im Westafrika des 19. Jahrhunderts und die geheimnisvolle "Stadt unter den
Steinen"
- Autoren-Lesung "Die Stadt unter den Steinen"
(Abeokuta) mit Jens J. Kramer
- Gerd Meuer, Übersetzer von Wole Soyinka, berichtet
über den Nobelpreisträger und dessen Geburtsstadt Abeokuta
- Podiumsgespräch über den "Clash of Religions"
zwischen christlicher Missionierung und einheimischen Religionen in
Westafrika
- "Eine Kindheit in Nigeria" - Ein Film von
Vera Botterbusch über Wole Soyinka und Abeokuta (in Anwesenheit
der Regisseurin)
- Offenes Forum
Jens Kramer erzählt die "wahre Geschichte"
eines jungen Deutschen, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts auszog,
die "Heiden" in Afrika das Christentum zu lehren und dabei das
Fürchten lernte. Hoffnung wuchs ihm erst wieder zu, als er sich afrikanische
Sprachen aneignete und sich auf dahinter liegende Vorstellungswelten einließ.
Es ist auch die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem "Weißen"
und einem "Schwarzen", zwischen dem auf den christlichen Gott
eingeschworenen Missionar und dem Yoruba-Krieger, dessen Leben Ogun, dem
Gott des Eisens, geweiht ist.
Der Roman beruht auf umfangreichen historischen Recherchen. Tagebücher,
Briefe und Berichte von Missionaren geben ihm seine authentische Qualität.
Er beleuchtet ein gemeinhin wenig bekanntes Terrain, sowohl der Geographie
wie der menschlichen Seele. Sein Thema ist der Zusammenprall zweier Kulturen,
wie man sie sich gegensätzlicher kaum vorstellen kann - ein Ausschnitt
sowohl deutscher als auch westafrikanischer Lebenswelten im 19. Jahrhundert.
Eintritt frei - Spenden erbeten
Für Speisen und Getränke sorgt vorher, währenddessen und
nachher Bel Mondo, das Café im Völkerkundemuseum.
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Freitag, 18.03.2005, 19:00 Uhr
"Fußspur im Staub"
Die afro-amerikanische Ethnologin Zora Neale Hurston unterwegs in den Großstädten
Amerikas der 1920er Jahre
- Inszenierte Lesung einer biographischen Würdigung
Zora Neale Hurstons von Rhia Herrad
- Ich mag mich, wenn ich lache - Ein autobiographischer Roman von Zora Neale
Hurston, in Ausschnitten gelesen von Karin Sommer
- Jump at the Sun - Die Geschichte Zora Neale Hurstons anhand von Ton- und
Filmdokumenten. Ausführungen von Wera Reusch (Köln)
- Offenes Forum
In Deutschland ist sie noch weithin unbekannt, an den Universitäten
und in den Literaturzirkeln der USA ist sie längst ein Klassiker:
Zora Neale Hurston ist eine der wichtigsten afroamerikanischen Schriftstellerinnen
des 20. Jahrhunderts und war Wegbereiterin für weltberühmte
Autorinnen wie Alice Walker und die Nobelpreisträgerin Toni Morrison.
Zora Neale Hurston wurde 1891 in Alabama geboren, studierte in New York
bei Franz Boas Ethnologie und wurde herausragendes Mitglied der Harlem
Renaissance. Als Ethnologin sammelte sie Unmengen von Volksliedern und
-erzählungen in den "Black Communities" von Florida, stellte
Untersuchungen an über Voodoo-Kulte in der Karibik und "schwarze
Siedlungen in Britisch Honduras. Daneben schrieb sie zahlreiche Romane,
Erzählungen und Theaterstücke.
"In meiner Vorstellung bilden Zora Neale Hurston, Billie Holdiday
und Bessie Smith eine Art unheilige Dreifaltigkeit. Zora gehört -
zumindest für mich - in die Tradition der schwarzen Sängerinnen."
(Alice Walker)
Eintritt frei - Spenden erbeten
Für Speisen und Getränke sorgt vorher, währenddessen und
nachher Bel Mondo, das Café im Völkerkundemuseum.
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Freitag, 29.04.2005, 19:00 Uhr
Ethnologie und Schelmentum"
Carlos Castaneda und das Trickster Prinzip
- Ausführungen mit Bilddokumenten von Alexander
Knorr
- Trickster-Geschichten aus dem indianischen Nordamerika
und aus Westafrika - Gelesen von Barbara Schachinger
- Trickster in München - Karin Sommer im Gespräch
mit Werner Petermann und
Reinhard Kapfer (Trickster - Verlag)
- Powwow Highway - Ausschnitte aus einem Film von Jonathan
Wacks (1989)
- Offenes Forum
Das wahre Leben, meint Sherlock Holmes, schreibt spannendere
Geschichten, als ein Schriftsteller ersinnen kann. Besonders prickelnd
wird es dann, wenn die Geschichten in unbekannter Ferne spielen, weit
weg
von daheim. So ziehen Ethnologen in die Fremde, um wahre Geschichten vom
Leben der Anderen nach Hause zu bringen. Doch manchmal verschmelzen Leben
und Phantasie. Wahre Mythen entstehen. Der Publizist Léo Taxil,
der
Sinologe Sir Edmund Backhouse und der Ethnologe Carlos Castaneda haben
mit großen Illusionen die ganze Welt hereingelegt. Dabei sind ihre
eigenen Lebensgeschichten zu unentwirrbaren Gebilden aus Dichtung und
Wahrheit, zu wirklichen Phantasmagorien geworden. Sie sind wie der
Trickster, den die Ethnologen in den Geschichten der Anderen gefunden
haben.
Eintritt frei - Spenden erbeten
Für Speisen und Getränke sorgt vorher, währenddessen und
nachher Bel Mondo, das Café im Völkerkundemuseum.
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Freitag, 28.10.2005, 19:00 Uhr
Der Pazifist Hans Paasche und sein "afrikanischer
Forschungsreisender" Lukanga Mukara:
Eine Reise zu den Quellen des Nils und ins Innerste Deutschlands
- Inszenierte Lesung einer biographischen Würdigung
Hans Paasches von Karin Sommer
- Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins Innerste Deutschland.
Lesung mit Günther Gerstenberg
- Der Maji-Maji-Aufstand 1905-07 - eine unbekannte kolonial-geschichtliche
Katastrophe, Kurzvortrag von Dr. Jigal Beez (Bremen)
- Die Liebe zum Imperium. Dokumentarfilm von Peter Heller zur deutschen
Kolonialgeschichte in Anwesenheit des Regisseurs
- Offenes Forum
Der erste Weiße, der die Wildnis betritt,
sieht zu, was er ihr rauben kann. Denn das Merkmal der Wildnis ist,
dass das Geld der Kulturwelt dort keinen Wert hat, und wenn der
Eindringling fragen würde, was ein Gegenstand kostet, so fordert
der Wilde ebenso leicht eine Mark wie zehntausend
Der Weiße
aber, der ins Land kommt, ist überzeugt, dass er Notwendiges
und Gutes bringt. Er erschließt, hebt, bessert, kultiviert
und verfeinert, macht dienstbar, und wie die Ausdrücke alle
heißen. Aber er hat keine Ehrfurcht vor dem, was da ist. Er
entheiligt, verwüstet, vernichtet, verschandelt, zerstört,
ohne es zu wissen.
Kluge Worte von einem Marineoffizier von Kaiser Wilhelms Gnaden.
Ob es so jemand im Militär weit bringt? Natürlich nicht.
Hans Paasche, den sein erster Afrika-Aufenthalt in der deutschen
Kolonie Ost-Afrika völlig begeistert hat, nimmt 1909 seinen
Abschied vom Militär. Er kehrt als Privatmann zurück nach
Afrika, auf Hochzeitsreise zu den Quellen des Nils. Und er bringt
eine Geschichte mit, nämlich die des fiktiven Afrikaners Lukanga
Mukara, der seinem König in neun Briefen Rechenschaft abliefert
über die Zustände im "zivilisierten" Deutschland,
vermeintlich naiv-exotisch, doch bisweilen so ätzend-bissig,
dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.
Eintritt frei - Spenden erbeten
Für Speisen und Getränke sorgt vorher, währenddessen und
nachher Bel Mondo, das Café im Völkerkundemuseum.
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Freitag, 25.11.2005, 19:00 Uhr
Ethnologie der Empfindlichkeiten:
Hubert Fichte, Pierre Verger und die afroamerikanischen Religionen
- Inszenierte Lesung eines Radio-Manuskripts von Dr. Stefan Eisenhofer
- Die unsichtbare Dritte? - Leonore Mau und ihre Fotografie. Anmerkungen
von Wera Reusch (Köln)
- Die Götter des Candomblé, oder: Das Leben des Pierre
Fatumbi Verger. Dokumentarfilm (1998) von Susanne Aernecke
- Offenes Forum
Die Begegnung der beiden beschäftigt die Nachwelt
bis heute. Und nicht nur in Deutschland werden sie bei der Auseinandersetzung
mit afroamerikanischen Religionen gerne in einem Atemzug genannt
- nur selten als mehr oder weniger über ähnliche Phänomene
Forschende, meist hingegen als Widersacher, die an ihrem Gegenüber
kein gutes Haar ließen: Pierre Verger - der "weiße
Papst des schwarzen Candomblé" und schon zu Lebzeiten
ein Mythos. Und Hubert Fichte - der laut der Pariser Le Monde "
ehrlichste Autor der deutschen Literatur", der sich stets und
unermüdlich und geradezu gierig rieb an Selbstverständlichem,
Hochgejubeltem, Heiliggesprochenem.
Sowohl Verger als auch Fichte waren fasziniert von der "Kraft
der Gegenkultur" der afro-amerikanischen Mischreligionen. Beide
fanden darin das, "was Hamburger Konfirmationsunterricht und
Pariser Großbürgertum wegnüchterten, austrockneten,
bekämpften, verleugneten" (Wangenheim 1980). Beide verwandelten
die afrobrasilianischen Religionen in ihrer Komplexität und
Nicht-Fassbarkeit in Kunst, stellten in ihren Werken ergreifende
Gegenwärtigkeit her. Sie erreichten eine Erweiterung der Wissenschaft
durch poetische Kategorien, ihnen glückte durch den künstlerischen
Einsatz von Sprache (bei Fichte) und Fotografie (bei Verger) eine
oft tiefere Menschen- und Welterkenntnis, als sie im Großteil
der Werke der akademischen Wissenschaft derzeit verwirklicht wird.
Eintritt frei - Spenden erbeten
Für Speisen und Getränke sorgt vorher, währenddessen und
nachher Bel Mondo, das Café im Völkerkundemuseum.
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